Alexander-Technik
Video1 (Zentrum für Alexander-Technik)
Video 3 (Alexander-Technik für Reiter)
Video 4 (Verlauf einer Alexander-Stunde, weitere Erfahrungsberichte)
Den Kopf frei haben und beweglich sein
Unsere Welt ist voller Reize und stellt uns jeden Tag vor neue Herausforderungen. Mit dem Blick auf die Uhr und den Terminkalender eilen wir durch unseren beruflichen Alltag und danach noch weiter zu privaten Verabredungen. Druck und Anstrengung können daraus entstehen, die dann mit der Zeit zu chronischen Verspannungen führen. Dazu kommen oft noch körperliche Fehlhaltungen durch einseitige Belastungen oder Bewegungsmangel. Dass etwas nicht stimmt, signalisiert uns der Körper – etwa nach stundenlanger Arbeit am PC durch pochenden Kopfschmerz, müde Schultern oder den schmerzenden Rücken.
Die meisten Menschen bewegen sich routiniert durch ihr Leben, d. h. mit stereotypen Reaktionsmustern, die oft einem harmonischen Funktions- und Bewegungsablauf des Organismus im Wege stehen. Vielleicht macht sich jemand bei einer Körpergröße von zwei Meter gerne kleiner als er ist und geht vornüber gebeugt durchs Leben. Mancher zieht in unangenehmen Situationen einfach den Kopf zwischen die Schultern, um Schutz zu suchen. Die Macht der Gewohnheit prägt uns: Viele Verhaltensweisen behalten wir auch dann bei, wenn der Ursprungsreiz hierfür längst nicht mehr gegeben ist. Wir erstarren sozusagen in unserem Muster.
Der Körper wird teilweise überlastet, teilweise unterfordert – verkürzte oder überdehnte Muskeln und Sehnen sind die Folge. Auf Dauer können Krankheiten entstehen – beispielsweise Beschwerden im Bewegungsapparat, Herz-Kreislauf- oder seelische Probleme.
Wie funktioniert die Alexander-Technik?
Die Alexander-Technik wurde vor etwa 100 Jahren von dem Australier Frederick Matthias Alexander (1869–1955) entwickelt und seitdem erfolgreich praktiziert. Alexander definierte schon damals den Körper als Einheit aller geistigen, seelischen und körperlichen Prozesse.
Die Alexander-Technik beschreibt die zentrale Rolle, die das Kopfgelenk einnimmt. Das Kopfgelenk liegt etwa in der Kopfmitte am Anfang der Wirbelsäule – für uns nicht sichtbar wie beispielsweise Knie- oder Fußgelenke. Alexander fand heraus, dass ein frei bewegliches Kopfgelenk die Voraussetzung ist für die dynamische Bewegung von Hals, Kopf und Rücken und eine natürliche Flexibilität des gesamten Organismus. Wird das Kopfgelenk von Spannungen festgehalten, mindert dies die Balance und Koordination des ganzen Körpers.
Die Alexander-Technik zielt darauf ab, die ursprüngliche Bewegungsfähigkeit durch die Harmonie zwischen einem beweglichen Kopfgelenk und dem Bewegungsapparat zurück zu gewinnen. Hierbei arbeitet sie in drei Schritten: 1. einen Reiz bewusst wahrnehmen – 2. den gewohnten Reaktionsablauf bewusst unterbrechen – 3. auf neue Art entspannt bewegen.
Wie lerne ich die Alexander-Technik?
Während der Alexander-Stunde blickt er oder sie in einem ersten Schritt bewusst nach innen und registriert bei gewohnten Bewegungsmustern – beispielsweise beim Sich-Setzen – Verspannungen in Hals und Rücken. Im zweiten Schritt wird der Impuls zum Sich-Setzen gestoppt, um dann im dritten Schritt die Bewegung gezielt anders durchzuführen. So wird aus dem spontanen sich mit rundem Rücken nach hinten fallen lassen eine Bewegung mit lang bleibendem Rücken, wobei der Kopf in seiner natürlichen Ausrichtung nach vorn und oben bleibt. Der Prozess wird gedanklich mit konkreten Anweisungen begleitet wie: den Hals entspannen, damit der Kopf sich nach vorn und oben ausrichten kann und damit mein Rücken sich längt und weitet; die Knie nach vorne richten und das Gesäß sich senken lassen.
Die Alexander-Technik-Lehrerin unterstützt hierbei mit gezielten Bewegungen, lenkt mit kleinen Hilfen der Hände die Wahrnehmung in Hals, Kopf, Kiefer, Schultern, Rücken, Hüfte oder Knie. Über die Analyse von Basis-Bewegungen wie Sitzen, Liegen, Aufstehen und Gehen wird der harmonische Ablauf komplexer Aktivitäten entwickelt.
Ziel des Unterrichts ist es, routinierte Abläufe zu durchbrechen, eine neue bzw. alte Dynamik zu erlernen und sofort im Alltag anwenden zu können.
Die Alexander-Technik fördert das achtsame Umgehen mit sich selbst und die Qualität der Bewegungen – sanft und schonend. Das während der Stunden Gelernte ist jederzeit und überall im Alltag und bei Freizeitaktivitäten anzuwenden. Wer die Alexander-Technik in seine täglichen Abläufe integriert, wird immer schneller vorhandene Spannungen aufspüren und damit einschränkende Gewohnheiten ablegen können.
Kann mir die Alexander-Technik helfen?
Die Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung hilft bei chronischen Rücken-, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Beschwerden des gesamten Bewegungsapparates. Auch beim Abbau von Stress bedingten Störungen ist die Technik ausgesprochen hilfreich, denn Spannungen werden reduziert und der Körper in seiner natürlichen Aufrichtung bestärkt.
Musiker, Sänger, Schauspieler, Sportler und alle, die sich in der Öffentlichkeit vorteilhaft darstellen wollen, arbeiten mit Hilfe der Alexander-Technik an ihrer körperlichen Präsenz – denn nur wer aufrecht und innerlich entspannt seinem Gegenüber begegnet, wirkt mit der Kraft seiner persönlichen Ausstrahlung. Auch Schwangere, die bewusst mit ihrem sich verändernden Körper umgehen möchten, oder Menschen mit durch Operationen bedingten Schonbewegungen erhalten durch die Technik wertvolle Anregungen und eine neue natürliche Bewegungsfähigkeit.



