Barbara Blickensdorff
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Alexander-Technik
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Video : (Alexander-Technik für Reiter)

 

Mit der Alexander-Technik im Alltag und zu Pferd: Mehr Aufrichtung, Losgelassenheit und Balance

Pferde sind Wesen, deren Körper auf die Balance angewiesen sind. Nur dann können sie unseren Anforderungen entsprechen und auch in höherem Alter gesund und leistungsfähig bleiben. Diese Tatsache ist uns als Reitern bewusst. Wir wissen, dass ein Pferd, welches dauernd aus seiner Balance gebracht wird Gelenkprobleme bekommt, die Hufe leiden und seine Lebensfreude nimmt ab.

Aber ist uns ebenso bewusst, dass der Mensch ein Wesen verkörpert, dass für ein langes gesundes Leben ebenfalls auf seine Balance angewiesen ist?
Die anatomische „Konstruktion“ des Menschen würde einem Architekten oder Statiker kaum gefallen: Die kleine Auflagefläche der Füße, dann die Länge des aufgerichteten Körpers und ganz oben der schwere Kopf (5-6kg). Kein Architekt würde ein Bauwerk so konzipieren.
Wir Menschen können dennoch als dieses Konstrukt existieren, weil wir über einen biologischen Aufrichtungsmechanismus verfügen, der uns in der Balance halten kann. Damit geht es uns in diesem Punkt wie den Pferden: Stören wir diesen Aufrichtungsmechanismus, sind wir nicht in der Balance, z.B. durch stressbedingte Fehlhaltungen, machen wir uns auf Dauer krank; bekommen Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Kreislauf- oder seelische Probleme. Als unausbalancierter Reiter stören wir zudem die Balance unseres Pferdes; manchmal ohne es selbst zu bemerken, wie in dem folgenden Bericht einer Reiterin:
„ Vor der Reitstunde hatte ich einen stressigen Tag in der Firma, ich kam gerade noch rechtzeitig los, um fast Pünktlich beim Stall zu sein. Dort fiel der ganze Stress sofort von mir ab. Schnell striegelte ich, sattelte und ritt auf die Bahn... Irgendwie ging es heute nicht so gut, die Seitengänge hatten schon mal besser geklappt, na ja, vielleicht lag’s am Wetter und: Pferde sind ja auch nur Menschen.“
Immer mehr Reitern wird klar, wie viel sie selbst zu solchen Situationen beitragen und wie wenig sie im Gleichgewicht sind, bevor sie aufs Pferd steigen.
Fangen wir also bei uns selber an. Tun wir uns etwas gutes, arbeiten wir an der Verbesserung unserer eigenen Aufrichtung und Balance und lassen wir dann unser Pferd erleben, dass sein wertvolles Gleichgewicht so wenig wie möglich gestört wird.
Einen Weg dahin zeigt die Alexander-Technik. Sie hilft nachhaltig und egal in welchem Lebensalter, wieder in die natürliche Balance und Aufrichtung zu kommen.
Fast jeder von uns hat schon mal ein kleines Kind bei seinen mühelosen ersten Reitversuchen bewundert und gesehen, wie leicht und elastisch es in die Bewegung des Pferdes eingehen konnte, wie wenig es die Balance des Pferdes störte. Dahin können wir auch als Erwachsene wieder kommen.

Wie funktioniert die Alexander-Technik?

Die Alexander-Technik ist keine Behandlung, sondern ein Unterricht. Es wird anatomisches Wissen über das Kopfgelenk, die Aufrichtungsmuskulatur und andere Zusammenhänge im Körper vermittelt und bewusst in Bewegungsabläufe umgesetzt.
Die Alexander-Technik wurde vor etwa 100 Jahren von dem Australier Frederick Matthias Alexander entwickelt und seitdem erfolgreich praktiziert. Alexander bezeichnete den Körper als Einheit aller geistigen, seelischen und körperlichen Prozesse.
Die Alexander-Technik beschreibt die zentrale Rolle, die das Kopfgelenk bei der Steuerung der gesamten körperlichen Bewegungen einnimmt. Das Kopfgelenk liegt etwa in der Kopfmitte am Anfang der Wirbelsäule – für uns nicht sichtbar wie beispielsweise Knie- oder Fußgelenke. Alexander fand heraus, dass ein frei bewegliches Kopfgelenk die Voraussetzung ist für die dynamische Bewegung von Hals, Kopf und Rücken und eine natürliche Flexibilität des gesamten Organismus. Wird das Kopfgelenk von Spannungen festgehalten, mindert dies die Balance und Koordination des ganzen Körpers.
Die Alexander-Technik zielt darauf ab, die ursprüngliche Bewegungsfähigkeit durch die Harmonie zwischen einem beweglichen Kopfgelenk und dem Bewegungsapparat zurück zu gewinnen. Hierbei arbeitet sie in drei Schritten: 1. bewusst wahrnehmen – 2. einen gewohnten Ablauf unterbrechen – 3. entspannt bewegen.

Wie lerne ich die Alexander-Technik?

Während des Unterrichts blickt er oder sie in einem ersten Schritt bewusst nach innen und registriert bei gewohnten Bewegungsmustern – beispielsweise beim Sich-Setzen – Verspannungen in Hals und Rücken. Im zweiten Schritt wird der Impuls zum Sich-Setzen gestoppt, um dann im dritten Schritt  die Bewegung gezielt anders durchzuführen. So wird aus dem spontanen sich mit rundem Rücken nach hinten fallen lassen eine Bewegung mit lang bleibendem Rücken, wobei der Kopf in seiner natürlichen Ausrichtung nach vorn und oben bleibt. Der Prozess wird gedanklich mit konkreten Anweisungen begleitet wie: den Hals entspannen, damit der Kopf sich nach vorn und oben ausrichten kann und damit mein Rücken sich längt und weitet; die Knie nach vorne richten und das Gesäß sich senken lassen. Der Alexander-Technik-Lehrer unterstützt hierbei mit gezielten Bewegungen, lenkt mit kleinen Hilfen der Hände die Wahrnehmung in Hals, Kopf, Kinn, Schultern, Rücken, Hüfte oder Knie. Über die Analyse von Basis-Bewegungen wie Sitzen, Liegen, Aufstehen und Gehen wird der harmonische Ablauf komplexer Aktivitäten, wie zum Beispiel das Reiten, entwickelt.

Praxis

Das Praktizieren der Alexander-Technik erfordert keinen besonderen Raum und keine besondere Kleidung. Die Technik ist immer und überall im Alltag anwendbar, und sie kann die Grundlage und Vorbereitung für spezielle Betätigungen sein. Durch die Anwendung der Alexander-Technik versetzte ich mich selbst in die Lage, mir während des ganz normalen Alltags eine optimale Ausgangsposition für das Reiten zu erarbeiten.

Fazit

Die Alexander-Technik fördert das achtsame Umgehen mit mir selbst, die Wahrnehmungsfähigkeit und die Qualität der Bewegungen – sanft und schonend. Das während der Stunden Gelernte ist jederzeit und überall im Alltag zu praktizieren. Wende ich die Alexander-Technik regelmäßig an und integriere ich sie in meine täglichen Abläufe, werde ich immer schneller eingeprägte Gewohnheiten aufspüren und vorhandene Spannungen ablegen können. Eine gute Aufrichtung und Balance, mehr Gelassenheit und die verfeinerte Wahrnehmungsfähigkeit auf der Basis fundierten Wissens machen sich dann positiv im Umgang mit mir selbst und mit dem Pferd bemerkbar.